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Alle abgebildeten Arbeiten:

ter Hell, 2003
Marker auf Zeichenkarton
je 24 x 32 cm.


ter Hell

Vom Ich bin’s-Verständnis
zum Wir-Bewußtsein

Die innere Logik des Weges und Bilder.


Der Wille, den unbewußten Kern der Wahrnehmung eines grundlegenden Mißfallens an vorgelebter, sozialisierter Lebens- und Menschheitsorganisation zu finden, war Antrieb zum Weitersuchen in meiner Arbeit.

Impuls – neben der Lust / Notwendigkeit – zu kreativer Gestaltung meiner Existenz war die bildnerische Reflektion von Ohnmacht angesichts der gegebenen Struktur (Hirn-Serie) – die Unfreiheit des Denkens bis zur 100%igen Strangulierung.

Eine Inversion der Hirnproblematik per Kompression auf Punktform zu „Bezüge I” gab erste Freiheit und Hoffnung auf Lockerung / Ausdehnung auf eine mögliche Erweiterung der Gedankenfreiheit. Bildnerisch war Unterdrückung als strukturelle Bedingung für das Sein im Staatswesen im offenen Bedingungszusammenhang gebannt. Aus Repression wuchs der Wunsch zum kollektiven Handeln und nach gesellschaftlicher Einflußnahme mittels künstlerischer Aktion. Realiter gab es die Aktionen Bezüge II / Generics+++ / MEK bis Bezüge VII.

Ein Abzweig auf der Bezüge-Wegstrecke ging dahin, komplette Punkte platzen zu lassen –siehe Bilder– und drittens die immanente Analyse von schwarz, weiß und rot –siehe Bilder– immer bestimmt von der reziproken Durchdringung vorgegebener Rahmen- / Existenzbedingungen.

„Punkte platzen lassen” und Hinwendung zu Leben als Kunst war Ventil. Umsetzung meiner unmittelbaren Triebe in Lebensformen gewährte vorübergehende Befriedigung in der Welle von Vorwärtsbewegungen und Rückschlägen. Ein Aufrechterhalten des sozialen Bezuges der Arbeit wurde wegen Zersplitterung in viele Bildformen sehr kompliziert. Die zugrundeliegende Ohnmacht führte zu Kraftanstrengungen auf eigene Kosten, Selbstzerstörung; die Arbeit spiralisierte in Tagebuchcharakter und einer Lage zwischen Anspruch und Leere – Sie wurde offiziös.

Time to take a brake: 1992–1993.

Neubeginn der „Untersuchung von Feldcharakter” mittels der Analyse der „potentials” von „Bezüge I” und beseelt von dem Wunsch „Ordnung in Farbe” zu bringen. Die Fragestellung lautet: Welche möglichen Erscheinungen, Bedingungen und Beziehungen tun sich auf, wenn ein geöffneter Punkt durch die rote Sphäre anderen geöffneten Punkten begegnet.

Formal die Frage wie man von A nach B gelangt - meint: Was ist der status quo der Erkenntnis im Rahmen des Wandels von status quo. Die philosophische Prämisse war die Annahme der Struktur „Wachstum und Numerisches” zum Verständnis menschlicher Natur und gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Angenommen ist auch, daß der Widerspruch in sich – progressiv gedacht – „offene Struktur” bedeutet. Das heißt: gebunden an Rot/Leben, Schwarz/Tod, Weiß/das Geistige meint die Begegnung das Wesen von natürlicher menschlicher Wahrheit.

Untersuchungslabor war:

Cyberspace / electronic live / Leben im System / Leben und Tod als Struktur / Multivision / Heile Welt.

„Ich bin’s Verständnis” als Kreuzritter (s. Bild), Vorstellung von Genauigkeit in Abstraktion, Wunsch nach Realisierung in Lebensform brachte die Erkenntnis über das Wesen von Kreativität als einer Ordnung aus Dualismus, evolutionärem Prozeß und Verstehen, allerdings und trotz des passiven reflektiven Denkens und damit Sehgewohnheiten. Im Grunde halbbewußte Gestaltung der Ohnmacht exemplarisch in existentiellen Extremen.

Die Inversion in WIR wurde möglich, nachdem die Erkenntnis von Kreativität in Dualismus gestellt wurde zu Herrschaftsform. Ein doppelter Horizont der Optionen: Paradies oder Apokalypse ermöglichte ultimative Standortbestimmung. Proportionale Relation zeigt sich als umfassendes Wachstum/Numerisches und ist somit eingebettet in den Zusammenhang des Wir-Bewußtseins.

Die Vision: in jeder Zelle steckt ein „Wir-Kern”. Wir ist das Bewußtsein vom Leben der Art, das Ich ist vergänglicher Baustein für dessen Gestaltung. Die „Ich bin’s“-Aktivität ist der Humus zur Fortführung vorgegebener Organisation. Mit dem „Wir-Verständnis”erfüllt sich die Überwindung der Dualismusgewalt. „Wir-Verständnis” bedeutet Setzung eines neuen Bezugsrahmens der die Überholtheit vieler Begriffe und ihre permanente Vergewaltigung und Ausbeutung dechiffriert und darüber hinaus bewußt Richtung ändern kann. Vom „Ich bin’s-Verständnis” zum „Wir-Bewußtsein” meint: Von der Masse der Verdrängung über Bewußtsein der Struktur zu Wandlung.

Die Bilder sind Umsetzung und Darstellung von Gedanken zu ethischen Prinzipien und menschlichen Naturgesetzen in abstrakt anmutender Form. Mit dem Bild „Visionscape”, einer gedanklich auf den Punkt gebrachten Multivision, gelangt die Reflektion des „Bezüge I“ zur prototypischen formal multiperspektivischen und inhaltlichen Konkretion.

Berlin im August 2003